Buchzitate und Textpassagen

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    • Sie hatte Lust, etwas zu tun, das ihr jeden Weg zurück abschnitt. Sie hatte Lust, die vergangenen sieben Jahre gewaltsam auszulöschen. Das war das Schwindelgefühl. Eine betäubende, unüberwindliche Sehnsucht nach dem Fall.
      Man könnte auch sagen, Schwindel sei Trunkenheit durch Schwäche. Man ist sich seiner Schwäche bewusst und will sich nicht gegen sie wehren, sondern sich ihr hingeben. Man ist trunken von der eigenen Schwäche, man möchte noch schwächer sein, man möchte mitten auf einem Platz vor allen Augen hinfallen, man möchte unten, noch tiefer als unten sein.
      Sie hatte sich davon überzeugt, dass sie nicht in Prag bleiben und nicht mehr als Fotografin arbeiten wollte. Sie würde in die kleine Stadt zurückkehren, aus der Tomas' Stimme sie eins abberufen hatte.
      Als sie in Prag angekommen war, musste sie zunächst dort bleiben, um die praktischen Dinge zu erledigen. Sie schob ihre Abreise auf.
      So verstrichen fünf Tage, und plötzlich stand Tomas in der Wohnung. Karenin sprang an ihm hoch und befreite sie beide für Momente von der Notwendigkeit, etwas zu sagen.
      Sie hatten das Gefühl, inmitten eines Schneefeldes zu stehen und vor Kälte zu zittern.
      Dann gingen sie aufeinander zu wie Liebende, die sich noch nie geküsst haben.
      Er fragte: "Ist alles in Ordnung?"
      "Ja."
      "Warst du bei der Zeitung?"
      "Ich habe angerufen."
      "Und?"
      "Nichts. Ich habe gewartet."
      "Worauf?"
      Sie gab keine Antwort. Sie konnte ihm nicht sagen, dass sie auf ihn gewartet hatte.

      Milan Kundera . Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
      Dem Zwang widersetzt man sich.


      D:
    • Ich habe auch noch eines. :-D

      "Wenn sich jede Sekunde unseres Lebens unendliche Male wiederholt, sind wir an die Ewigkeit genagelt wie Jesus Christus ans Kreuz. Eine schreckliche Vorstellung. In der Welt der Ewigen Wiederkehr lastet auf jeder Geste die Schwere einer unerträglichen Verantwortung. Aus diesem Grund hat Nietzsche den Gedanken der Ewigen Wiederkehr 'das schwerste Gewicht' genannt. Wenn die Ewige Wiederkehr das schwerste Gewicht ist, kann unser Leben vor diesem Hintergrund in seiner ganzen herrlichen Leichtheit erscheinen. Ist aber das Schwere wirklich schrecklich und das Leichte herrlich?

      Das schwerste Gewicht beugt uns nieder, erdrückt uns, presst uns zu Boden. In der Liebeslyrik aller Zeiten aber sehnt sich die Frau nach der Schwere des männlichen Körpers. Das schwerste Gewicht ist also gleichzeitig ein Bild intensivster Lebenserfüllung. Je schwerer das Gewicht, desto näher ist unser Leben der Erde, desto wirklicher und wahrer ist es.

      Im Gegensatz dazu bewirkt die völlige Abwesenheit von Gewicht, daß der Mensch leichter wird als Luft, daß er emporschwebt und sich von der Erde, vom irdischen Sein entfernt, daß er nur noch zur Hälfte wirklich ist und seine Bewegungen ebenso frei wie bedeutungslos sind.

      Was also soll man wählen? Das Schwere oder das Leichte? Parmenides hat sich diese Frage im sechsten Jahrhundert vor Christus gestellt. Er sah die ganze Welt in Gegensatzpaare aufgeteilt: Licht-Dunkel; Feinheit-Grobheit; Wärme-Kälte; Sein-Nichtsein. Er betrachtete den einen Pol (Licht, Feinheit, Wärme, Sein) als positiv, den anderen als negativ. Eine solche Aufteilung sieht kinderleicht aus, bringt jedoch eine Schwierigkeit mit sich: was ist positiv, das Schwere oder das Leichte? Parmenides antwortete: das Leichte ist positiv, das Schwere negativ. Hatte er recht oder nicht? Das ist die Frage. Sicher ist nur eines: der Gegensatz von leicht und schwer ist der geheimnisvollste und vieldeutigste aller Gegensätze."

      Milan Kundera, Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
    • Er rückte näher an den Wohnzimmertisch, nahm eine CD-Hülle in die Hand und packte seinen Stoff aus:
      "Soll ich dir eine drehen?"
      "Nein, danke."
      "Stimmt ja, du bist ja eine ganz Solide."
      "Ich habe mich für etwas anderes entschieden", sagte sie und griff nach ihrem Glas.
      "Das ist ein Fehler."
      "Warum, ist Alkohol schlimmer als Drogen?"
      "Ja. Und du kannst mir glauben, ich habe in meinem Leben schon einige Saufbrüder gesehen. Und außerdem ist das hier keine Droge. Das ist ein Leckerbissen, Quality Street für Große."
      "Wenn du das sagst..."
      "Willst du nicht probieren?"
      "Nein, ich kenn mich doch. Das würde mir bestimmt gefallen."
      "Na und?"
      "Nichts und. Ich habe nur ein Problem mit der Voltzahl. Wie soll ich sagen? Ich habe oft das Gefühl, mir fehlt ein Knopf. Du weißt schon, so ein Teil, mit dem man die Lautstärke regelt. Ich gehe immer zu weit, in die eine wie in die andere Richtung. Ich finde nie das richtige Gleichgewicht, und es nimmt immer ein böses Ende, das ist mir so mit auf den Weg gegeben."
      Sie war von sich selbst überrascht. Warum vertraute sie sich ihm an? Ein leichter Rausch vielleicht?
      "Wenn ich trinke, trink ich zuviel, wenn ich rauche, mach ich mich kaputt, wenn ich liebe, verlier ich den Verstand, und wenn ich arbeite, verausgabe ich mich völlig. Ich kann nichts normal machen, ruhig, ich ..."
      "Und wenn du hasst?"
      "Das weiß ich nicht."
      "Ich dachte, du hasst mich?"
      "Noch nicht", lächelte sie, "noch nicht... Wirst schon sehen. Wenn es soweit ist, wirst du den Unterschied sehen."

      Anna Gavalda . Zusammen ist man weniger allein
      Dem Zwang widersetzt man sich.


      D:
    • “Out of my thoughts! You are part of my existence, part of myself. You have been in every line I have ever read, since I first came here, the rough common boy whose poor heart you wounded even then. You have been in every prospect I have ever seen since – on the river, on the sails of the ships, on the marshes, in the clouds, in the light, in the darkness, in the wind, in the woods, in the sea, in the streets. You have been the embodiment of every graceful fancy that my mind has ever become acquainted with. The stones of which the strongest London buildings are made, are not more real, or more impossible to displace with your hands, than your presence and influence have been to me, there and everywhere, and will be. Estella, to the last hour of my life, you cannot choose but remain part of my character, part of the little good in me, part of the evil. But, in this separation I associate you only with the good, and I will faithfully hold you to that always, for you must have done me far more good than harm, let me feel now what sharp distress I may. O God bless you, God forgive you!”

      aus "Great Expectations" von Charles Dickens <3
    • Jake schrieb:

      “Out of my thoughts! You are part of my existence, part of myself. You have been in every line I have ever read, since I first came here, the rough common boy whose poor heart you wounded even then. You have been in every prospect I have ever seen since – on the river, on the sails of the ships, on the marshes, in the clouds, in the light, in the darkness, in the wind, in the woods, in the sea, in the streets. You have been the embodiment of every graceful fancy that my mind has ever become acquainted with. The stones of which the strongest London buildings are made, are not more real, or more impossible to displace with your hands, than your presence and influence have been to me, there and everywhere, and will be. Estella, to the last hour of my life, you cannot choose but remain part of my character, part of the little good in me, part of the evil. But, in this separation I associate you only with the good, and I will faithfully hold you to that always, for you must have done me far more good than harm, let me feel now what sharp distress I may.
      Das mag ich sehr <3
      Dem Zwang widersetzt man sich.


      D:
    • “The unqualified truth is, that when I loved Estella with the love of a man, I loved her simply because I found her irresistible. Once for all; I knew to my sorrow, often and often, if not always, that I loved her against reason, against promise, against peace, against hope, against happiness, against all discouragement that could be. Once for all; I love her none the less because I knew it, and it had no more influence in restraining me, than if I had devoutly believed her to be human perfection .”

      “Suffering has been stronger than all other teaching, and has taught me to understand what your heart used to be. I have been bent and broken, but - I hope - into a better shape.”

      “Heaven knows we need never be ashamed of our tears, for they are rain upon the blinding dust of earth, overlying our hard hearts. I was better after I had cried, than before--more sorry, more aware of my own ingratitude, more gentle.”

      Aus "Great Expectations" von Charles Dickens