Krankheiten anerkennen/akzeptieren

    • Krankheiten anerkennen/akzeptieren

      Hallo ihr!

      Ich habe gestern wieder gemerkt, dass es für sehr viele von uns, eigentlich von den meisten, es schwierig ist, körperliche Erkrankungen bei uns selbst anzuerkennen.
      Waren gestern bei dem ersten Teil der Asthmaschulung beim Lungenfacharzt und da kam heraus, dass unser Asthma gar nicht eingestellt ist, unsere Lungenfunktion total schlecht ist, wir eigentlich nicht darauf achten, Allergieauslösern aus dem Weg zu gehen, unsere Sprays überhaupt nicht regelmäßig nehmen. Zumindest eins von Beiden müssten wir jeden Abend und Morgen nehmen. Naja, alle paar Tage einmal reicht, dachten wir.
      Vor der Schulung war so eine Vorstellungsrunde (waren noch 5 andere Teilnehmer dort) und wir sollten unseren Namen, seit wann wir Asthma haben und wie es aktuell ist sagen. Und wir stellen uns auch noch mit unserem Namen vor und sagen noch, unser Asthma sei aber nicht schlimm.
      Die Schulung dauerte 2 Stunden und wir fühlten uns hinterher wie erschlagen. Die ganzen Infos worauf man achten soll, dann sollen wir täglich unsere Lungenfunktion mit so einem Gerät selbst überprüfen und das in drei Wochen mitbringen, die Sprays halt morgens und abends nehmen, haben Kortisontabletten verschrieben bekomme für die Zeit wo wir bei der Freundin sind, weil sie zur Zeit Katzen in Pflege hat, worauf wir allergisch reagieren.

      Aber das komischste war, als wir das Rezept für das Lungenfunktionsgerät in der Hand hatten und da stand auch die Diagnose drauf "gemischförmiges Asthma". Wir haben aber immer gedacht, dass ist nur durch Allergien ausgelöst und nicht sooo schlimm. Einige bei uns war es wie ein Schlag und sie sagten immer, dass sie aber nicht krank seien. Das sind diejenigen die viel mit dem Kult zu tun hatten wo Krankheit ein Makel bei Fehlverhalten ist und auch nicht gern gesehen und diejenigen die früher bestraft wurden, wenn sie krank waren und nicht so konnten. Auch zu Hause. Wenn wir zum Beispiel dann langsamer waren bei der Hausarbeit als wir noch zu Hause wohnten usw.

      Aber uns fällt das nicht nur beim Asthma aus. Wir waren letzte Woche Montag beim Arzt wegen der Verdachtsdiagnose "Lupus" und unserer Schilddrüse ja. Den Ultraschall haben wir machen lassen, aber er hatte auch noch "Bl*twerte angefordert. Unter anderem halt auch die Untersuchung auf Autoimmunkrankheit. Wir sollten uns eigentlich Dienstag gemeldet haben wegen den Ergebnisen, haben wir bis heute noch nicht.
      Am 4.4. sollen wir auch nochmal hin zum Herzultraschall, aber innen ist schon wieder so eine Stimmung nach dem Motto "brauch ich nicht, alles in Ordnung".

      Ich weiß nicht, wie ich das ändern kann. Weil jetzt haben wir nur schon gestern und heute morgen das Spray genommen und es ist schon ein klein wenig besser. Wieso wird das nicht registriert?

      Habt ihr auch solche Probleme damit?

      LG
      Nora
    • ich kenne das insofern, dass bspw. dringende blutuntersuchungen umgangen werden, indem man einfach nicht hingeht (wird schon so passen und nicht so wichtig sein, nicht einmal aus angst vor ergebnissen), medikamente auch bei somatischen beschwerden werden nicht eingenommen oder abgesetzt oder nur sporadisch. somatische beschwerden werden häufig ignoriert.

      wir haben einiges an somatischen problemen und im prinzip wird kein einziges dieser probleme behandelt, weil die behandlung nicht mitgemacht wird.

      warum das so ist kann ich nicht einmal genau sagen, ich denke das hat auch etwas mit selbstfürsorge zu tun. wir kümmern uns bspw. ja schon sehr lange auch anderweitig nicht mehr um uns (klingt dumm, aber ist eben fakt), vernachlässigen so ziemlich alles.

      was ich auch kenne ist das verhalten anderer wenn man selber schwächelt oder krank ist bis hin zu wut über das kranksein.
      "Alle Hoffnung zu verlieren, hieße Freiheit."

      (aus "Fight Club")
    • Wir kennen das.
      Zum einen kennen wir die Gedanken aus der Sektenzeit:
      Schlechtes Karma,selber schuld...da muss man durch und viel arbeiten und beten,sonst reift noch mehr schlechtes Karma.
      Einige Anteile haben die Nase voll und wollen nichts mehr machen lassen,haben die körperlichen Krankheiten aber wohl umrissen und die Konsequenz verstanden.
      Einige sind der Meinung,wenn wir mehr glauben und beten würden,dann würden wir gesund werden.
      Andere sagen,es sei eine Strafe Gottes die uns trifft,weil wir nicht gut genug seien.

      Uns wurde gesagt,dass es auch eine Form des [definition=11]SVV[/definition] ist,wenn man die nötigen Medikamente nicht nimmt und nicht zu Behandlungen und Untersuchungen geht.

      Das sind so die Dinge,die wir zu dem Thema sagen können und uns betreffen.
      Als Gegenmassnahme hilft,sich die Konsequenzen bescheinigen zu lassen,die Diagnosen überprüfen zu lassen,das auch wieder bescheinigen lassen und daheim ans Brett/Pinnwand hängen.
      Dann sehen es alle.
      Jeder hat das Recht auf eine Zweitmeinung vom Arzt.
      Danach kann man neu versuchen eine Entscheidung zu treffen,was alle wollen und dann Lösungen suchen.
      Vielleicht helfen unsere Ansätze .
      Freundliche Grüsse
    • Hey ihr drei,

      wir kennen das auch.
      Wobei wir schon mehrere Schritte "zuvor" scheitern... Wir wissen oft nicht, ob Schmerzen oder Missempfindungen körperlich sind
      Trigger anzeigen
      oder Folgen von Programmen ect.
      . Zum Hausarzt gehen wir eigentlich nur um ne Überweisung zu holen, also alle paar Monate, sagen alles ist beim Alten das wars.
      Zum Einen können wir das absolut nicht einordnen, was psychische und was physische Dinge sind und wenn wir dann mal so weit wären..., dass wir sagen, ok, wäre besser zum Arzt zu gehen, dann ist die Wahrscheinlichkeit klein, dsas wir es auch machen.

      Wir empfinden das immer wieder sehr schwierig. Denn wenn sich die zusammenraufen, die zum Arzt wollen, stellen sich andere "dagegen" und wollen die Krankheiten durch Kultmethoden heilen, angehen.
      Meist wird nichts gemacht und die Symptome werden nicht mehr wahrgenommen.

      Wenn jemand da weiterkommt - wir sind auf alle Fälle interessiert an Tipps!

      AnnA
    • @ Chamäleon

      Was uns da hilft sind Körperbewusstseinsübungen.

      Das hilft aber nicht jedem und es gibt viel unterschiedlich ausgerichtetes an Übungen auf dem Markt.

      Wir meinen da ganz konkret tibetisches Yoga "Kum Nye".

      Achtsamkeitsübungen helfen auch mehr Körpergefühl zu bekommen.

      Das kann helfen .

      Im Endeffekt ist der Körper und der Geist,die Seele immer etwas,was sich gegenseitig beeinflusst.

      Laut den Lehren der tibetischen Medizin fängt jede Krankheit mit inneren Ursachen an.

      Das wird ernstgenommen und immer mit berücksichtigt und mitbehandelt.

      Dieser Ansatz ist meiner Meinung nach realistischer und effektiver.Denn jede Körperkrankheit wirkt sich auch auf die Seele aus und umgekehrt.

      Soweit meine Gedanken dazu.

      Freundliche Grüsse
    • Hi,
      dieser Thread ist schon älter, aber irgendwie erkenne ich vieles wieder: als Kind wurde ich irgendwie nur bei Erkältungen zu einem Arzt gegangen. Alles andere ging irgendwie unter... In Grundschule erst nach 2 Wochen bemerkt, dass Finger zweimal gebrochen war. Und erst mit 16 Jahren bemerkt, dass ich auf einem Auge stark kurzsichtig war und praktisch nichts sah.
      Und meine Mutter hatte vor dem Zahnarzt wohl mehr Angst als ich, also ging man da selten hin.

      Naja, und so ging es dann weiter: 10 Jahre nicht zum Zahnarzt gegangen, bis zu Zahnwurzelentzündung. Aber selbst da gedacht, dass ich mir die Schmerzen nur einbilde und nix habe.

      Ein paar Jahre später mit wahnsinnigen Schmerzen im Job zusammengebrochen. Im Krankenhaus würde dann eine Darmentzündung festgestellt, und ich habe es gehasst! Wollte das nicht haben, lieber weiter verdrängen. Aber dann haben tatsächlich Medikamente geholfen, und plötzlich war der Schmerz weg! War völlig verblüfft, habe erst nach dem Wegfallen des Schmerzes bemerkt, wie lange ich das schon hatte!

      Naja, irgendwie hat das ganze langfristig auch total irritiert. Jetzt achte ich viel mehr auf sowas. Und zur Sicherheit gehe ich jetzt jedes Jahr zum check- Up beim Hausarzt. Das ist gottseidank ein netter Kerl.

      Aber am liebsten wäre mir, wenn ich gar keinen Körper hätte!
    • So, angestossen von dem Wann-zum-Arzt thread und der Antwort, die ich (oder wer auch immer vom System) offensichtlich darauf verfasst habe, und die ja jetzt nicht soooo schlau war, dachte ich, ich schreibe jetzt hier hin, da passt es wohl am ehesten.
      Also. ich kann das auch irgendwie nicht.
      Das Auseinanderhalten was ist psychisch, was ist körperlich.
      Mir erlauben krank zu sein. Das macht die totale Panik, wie generell schwach sein Panik auslöst.
      Und den Körper wahrnehmen - auch nicht.
      Ich unterschreibe hier:

      Lavendel schrieb:

      ber am liebsten wäre mir, wenn ich gar keinen Körper hätte!
      Ich würde das zumindest mittelfristig gerne ändern.
      Ich frage mich, an welchem Punkt ich am besten ansetze:
      Ergründen wo die Panik herkommt? Unabhängig davon wos herkommt am Verhalten arbeiten, schrittweise Exposition?
      Erst Körperbewusstsein Panik abbauen oder daran arbeiten, auch mal in Krankenstand gehen zu "dürfen"?
      Was hat Euch geholfen?
      Liebe Grüsse
      Anotherstory
      The basis of optimism is sheer terror (O. Wilde)
    • Liebe Anotherstory,

      sich erlauben, in den Krankenstand zu gehen, ist auch hier verboten.
      Erst wenn wirklich nichts mehr geht, das System die äußere Maske gar nicht mehr gewahrt bekommen kann oder akute Erkrankungen, die tatsächlich ein Arbeiten nicht ermöglichen, wird eine Auszeit gewährt.

      Jedoch ist dies Raubbau und hat in keinster Weise etwas mit Selbstfürsorge und dauerhaftem Erhalt der Arbeitsfähigkeit zu tun.

      Ich denke, dass es wichtig wäre, mit denen, die diese Verbote aussprechen, in Kontakt zu treten.
      Eine kurzfristige Auszeit, um sich zu regenerieren, trägt der dauerhaften Erwerbsfähigkeit bei.

      Sicherlich ist es zusätzlich von Nutzen, oder ursächlich von Nutzen, die Gründe für die Panik (Versagensängste, reine Funktionsanteile, Täterintrojekte/täterloyale Anteile, Angst vor der permanenten Auseinandersetzung mit euch, Schutz etc....) zu erforschen.

      Wir sind an diesem Punkt leider auch noch nicht weiter gekommen, um im Vorfeld solche längerfristigen Ausfallzeiten zu verhindern.
      Jedoch werden wir, sobald wir wieder arbeitsfähig sind, achtsamer damit umgehen, wenn jemand vom Team Bescheid gibt, dass es dringend einer Auszeit bedarf.
      Denn dort sind wir leider viel zu lang über unsere Grenzen gegangen.

      Grenzen setzen und diese zu wahren, wäre ein Schritt.

      Sicherlich wäre es ohne Körper “einfacher€, aber dies entspricht nun einmal nicht der Realität.
      Die Täter sind über unsere Grenzen gegangen, nun ist es wohl an der Zeit, diese eigenen Grenzen wahrzunehmen und zu schützen.

      Viele liebe Grüße
      Jeanies
      *a winner is a dreamer who never gives up* (N. Mandela)
    • Liebe jeanies,
      da habt Ihr wohl recht mit allem was Ihr da schreibt.
      Ich hab ja diesmal Gröberes abwenden können (merk erst jetzt wie sehr ich körperlich schon am Ende war), aber ich habe geschummelt.
      habe Pflegetage für meine Tochter genommen. Sowas ist ja erlaubt.
      Aber ich merke schon auch, dass mir bei dem blossen Gedanken, mich mit dem Thema mehr auseinanderzusetzen, übel wird.
      Das Schreiben hier ist sowas wie ein Expositionsversuch im Kleinen oder so.
      Mich hat dieser Satz von Euch berührt:

      jeanies schrieb:

      Die Täter sind über unsere Grenzen gegangen, nun ist es wohl an der Zeit, diese eigenen Grenzen wahrzunehmen und zu schützen.
      Ja, die sind über alle Grenzen gegangen - und das macht die Wahrnehmung jetzt so verdammt schwer. Und das Schützen erst recht. Zu glauben, dass das Schützen überhaupt möglich ist, geschweige denn erlaubt.....
      Danke, liebe Jeanies!
      Liebe Grüsse
      Anotherstory
      The basis of optimism is sheer terror (O. Wilde)
    • Also ich finde das Thema auch nicht einfach.
      Aber mal so eine Anmerkung: ohne Kørper gaebe es niemanden weder im Innen noch im Aussen (mag dazu auch andere Ansichten geben, aber das ist hier nicht Thema), niemanden, der arbeiten gehen kann, Schoenes erleben...

      Ich habe ja hier im Urlaub auch ein paar Dinge gemerkt. Auf der einen Seite die Lust, wach zu bleiben (wegen des Lichts und der Seefahrt), die Erschoepfung, jetzt an Land.
      Ein paar Verspannungen sind mir aufgefallen, also durch den Versuch, zwei Stuerze zu verhindern, mein linker Gesæssmuskel (ob maximus medius oder minimus, weiss ich nicht) tut weh.
      Schwimmen ging heute abend problemlos, aber wenn ich mich unbewusst anspanne, tun meine Zehen am linken Fuss wieder weh (Fussunterseite), obwohl der æusserlich immer gleich bescheiden aussieht.

      Manchmal fordert der Kørper sein Recht auf Ausruhen, auch wenn es mir nicht immer gefaellt, grad hier im Urlaub, aber wenn ich dem nachgebe, geht es mir danach besser und ich kann wieder besser aktiv werden.

      Und ich habe mir aufgeschrieben in meinem Papiertagebuch, dass ich dringend was tun muss fuer den Kørper, also so was wie Feldenkrais (habe ich mal ueber eine sehr lange Zeit gemacht) und was Aktiveres im Sinne von "richtig Sport treiben", also mit anderer Form der Bewegung. Bei Feldenkrais geht man mit Kørpergrenzen um und erweitert sie trotzdem (also im Sinn von Bewegungsmøglichikeiten) ohne die gefuehlten Grenzen zu ueberschreiten.

      Alles andere dann spaeter.
      LG
    • Ich habe heute nochmal Zeit gehabt.
      Ich bin eigentlich im Nachhinein erschrocken, dass ich nicht früher reagiert hab.
      Immerhin erhole ich mich sehr schnell.
      Aber dass ich für mich selber es nicht geschafft hätte, mir Ruhe zu nehmen, gar nicht, das gibt mir zu denken.
      Ich werde morgen denk ich das auch mit dem Psychiater besprechen, welche Wege es da geben kann.
      Danke für Deine Beschreibungen, Alexa - bei Euch ist das ja oft so, dass die Symptome konkret zuordenbar sind, wenn psychisch. So funktioniert das bei mir nicht. Es fasziniert mich aber sehr, wie gut Du und ihr das könnt.
      LIebe Grüsse
      Anotherstory
      The basis of optimism is sheer terror (O. Wilde)
    • Anotherstory schrieb:

      Es fasziniert mich aber sehr, wie gut Du und ihr das könnt.
      Dem möchte ich mich gerne anschließen...bin auch immer wieder fasziniert, wie du/ihr Alexa, das so zuordnen könnt...das is echt Wahnsinn....und war bestimmt ein langer Weg...

      lg lilu
      Mitten im tiefsten Winter wurde mir endlich bewusst,
      dass in mir ein unbesiegbarer Sommer wohnt.
      Albert Canus
    • Danke @Anotherstory und Lilu.
      Ja das war ein extrem länger Weg. Zwischen 7 und 30 habe ich Ärzte gemieden wie die Pest (lag an den miesen Erfahrungen als Kind). Dann habe ich stationär Psychotherapie gemacht und es gehörte zum Konzept, dass man erst zur Ärztin gehen muSste bevor man irgendwas nehmen durfte. Das waren 2 „Häuser“, die zusammen gehörten und die Ärztin war für alle Ansprechpartner. Ich hatte mal eine Mandelentzündung und die Stimme war fast weg. Ich bin zu ihr gegangen, sie hat mir gesagt, Sie haben einen Konflikt mit der Kunsttherapeutin, klären Sie den mit ihr und kommen Sie wieder, wenn es nicht besser wird. Naja ich hatte mich davor geweigert, mit der Kunstthera zu sprechen, habe das dann gemacht — sehr widerwillig- danach hat sich was im Rachen gelöst und die Entzündung war weg. Das war mein „Erweckungserlebnis“ bzgl. der Zusammenhänge zwischen Psyche und Körper (alles andere später)
      lg